1945 bis Heute

Der Bergbau im Trusetaler Revier von 1945 bis Heute

Im VEB Fluß- und Schwerspatbetrieb Trusetal wurden von 1950 bis 1990 neben 6.104.500 Tonnen Hüttenroh- und Aufbereitungserz auch insgesamt 2.479.900 Tonnen Fluß- und Schwerspat gefördert. Allein die Grube Hühn war an der Spatförderung von 1954 bis 1990 mit 863.600 Tonnen, also mehr als einem Drittel, beteiligt.  
Die Wende 1989/90 brachte mit dem nunmehr einhergehenden Strukturwandel in Ostdeutschland das Ende für den auf dem Weltmarkt nicht wettbewerbsfähigen Trusetaler Bergbau. Seit 1. Juli 1990 ist der Fluss- und Schwerspatbetrieb als Tochtergesellschaft der Mitteldeutschen Kali AG in eine GmbH umgewandelt worden. Die Gewinnungs- und Vortriebsarbeiten der Grube Hühn sind bereits zum 31. August 1990 eingestellt worden. Die anderen Grubenreviere folgten bis Mai 1991. Generationen von Einwohnern waren fest mit dem hiesigen Bergbau verwurzelt. Die Schließung der Gruben des Fluss- und Schwerspatbetriebes Trusetal bildete eine Zäsur in der Geschichte des Ortes. Rund 700 Beschäftigte verloren ihre Arbeit. Eine Jahrhunderte alte Tradition ging damit im Altkreis Schmalkalden zu Ende. 

Der am 31. März 1990 unter Beitritt der Ortsgruppe des Kulturbundes gegründete Bergbau- und Heimatverein Trusetal e.V. hatte sich zur Aufgabe gestellt, die Traditionen des hiesigen Bergbaus zu pflegen. Die Grube Hühn sollte als Besucherbergwerk etabliert werden. Die politische Gemeinde versagte diesem Vorhaben zunächst jedoch die erforderliche Unterstützung. Es drohte die Niederlegung der Zechenanlagen und der Verladerampe sowie die gänzliche Schließung und Verwahrung der Grube. Es ist dem Diplom-Geologen Volker Morgenroth zu danken, dass dieser alle Hebel in Bewegung setzte und über die Erfurter Denkmalbehörde Teile der Anlagen der Grube Hühn unter Denkmalschutz stellen konnte. Mit der Wahl von Bürgermeister Richard Hörnlein 1994 hat dieser nach Beratungen mit dem Bergbau- und Heimatverein die auf Eis gelegte Idee von einem Besucherbergwerk wieder aufgegriffen und die Gemeinde Trusetal erwarb im Juni 1995 einen Teil des Außengeländes des Reviers Hühn. Die Bergingenieure Michael Keilhold und Christian Fischer waren die führenden Köpfe bei der Herrichtung der Grube Hühn als Erlebnis- und Besucherbergwerk. Am 12. Mai 1996 ist diese Attraktion mit einem Festakt dem Bergbau- und Heimatverein unter Leitung von Christian Fischer als Betreiber übertragen und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Der Bergbauverein stellte zwei Bergwerksführer ein, die mit sachkundiger Führung an den Bergbau, der das Leben der Menschen in Trusetal über Jahrhunderte prägte, erinnerten. Mit der Gründung der Trusetaler Tourismus GmbH 1998 trat der Bergbau- und Heimatverein das Besucherbergwerk an die GmbH ab, wobei dessen Rechte und Pflichten an der musealen Einrichtung zwischen Bürgermeister Hörnlein und Vereinsvorsitzendem Fischer einvernehmlich geregelt wurden. Die jährlich etwa 7.000 bis 11.000 Besucher erfreuen sich dieses technischen Denkmals. Der Bergbauverein ist Träger der auf dem Gelände des Besucherbergwerkes Hühn jeweils am 30. Dezember im festlichen Rahmen mit abschließendem Feuerwerk durchzuführenden Mettenschicht.

Glück auf!
Jürgen Messerschmidt
Trusetaler Ortschronist

Zeitreihe zum Trusetaler Bergbau ab 1945

1946 Die Gruben Arminius und Stahlberg werden unter Sequester gestellt

1948 Überführung der Grube Klinge in Volkseigentum; Zusammenschluss der Gruben Arminius, Stahlberg und Klinge 
 zum VEB Eisenmanganerzbergwerke Schmalkalden

1949/ Baubeginn zur Erzaufbereitungsanlage
1950

1953 Rückwirkend zum 1. Februar 1952 wird die Grube Mommel enteignet und dem 
VEB Eisenmanganerzbergwerke angegliedert

1954 Übernahme der Schwerspatgrube Hühn in den VEB Eisenmanganerzbergwerke; Inbetriebnahme der 
 Erzaufbereitung auf Basis Nassmechanik in Verbindung mit Magnetscheidern;
 Einweihung des modernen Zechen-, Sozial- und Kulturgebäudes bei der Aufbereitung;
 Inbetriebnahme der Seilbahn zum Verladepunkt Bahnhof Auwallenburg


1958 Baggereinsatz in Verbindung mit dem Großlochbohrgerät PBS 110 im Tagebau Kochenfeld

1959/ Erste Versuche mit Stahlausbau (Reibungsstempel)
1960

1962 Einsatz von Ankerausbau

1963 Einsatz von Druckluftschrappern KS 500 und Elektroschrappern S 700 und S 1000 auf den Abbauen

1963/ Ersteinsatz von starrem Stahlbogenausbau in Hauptstrecken und Verwendung von 
1964 Betonfertigteilen in Überhauen

1964 Angliederung der Flußspatgrube Ilmenau/Gehren und damit verbunden Umbenennung in 
VEB Thüringer Spat- und Eisenerzgruben Schmalkalden;
Inbetriebnahme der auf Flotation umgebauten Erzaufbereitung Trusetal und der erweiterten Verladeanlage Auwallenburg (Portalkran)

1965 Umbau der Seilbahn von Hoch- auf Tiefaufgabe (Seilbahnstollen)

1967 Inbetriebnahme des rekonstruierten Erzumschlagplatzes an der Erzaufbereitung Trusetal 
(Nockenwalzenmühle und Bandanlage)

1967/ Erster großer Einsatz von Spritzbetonausbau
1968

1969 Einsatz des Großlochbohrgerätes LB 24 im Tagebau Kochenfeld;
Beginn der Auffahrung des Schrägstollens mit Bohrwagen SBU-2, Hummerscherenlader PNB-3K und Schwerlasttransportfahrzeug STF (Nachbau Kiruna-Truck);
Einsatz einer automatisierten Steuerung für die Erzaufbereitung (RMM-Anlage des Mansfeldkombinates);
Abwerfen der Grube Stahlberg und Einrichtung der Zechenanlagen als bergbauliches Berufsbildungszentrum

1970 Zusammenschluss der gesamten Spatindustrie der DDR zum VEB Fluß- und Schwerspatbetrieb Lengenfeld
 mit Zuordnung zum Kombinat Kali

1971 Inbetriebnahme der zentralen Verdichterstation am Mundloch Schrägstollen;
Einsatz des Großlochbohrgerätes NKR 100 für untertägige, kernlose Tast- und Entwässerungsbohrungen

1972 Einsatz der Kletterbühne Alimak STH-3 K zur Überhauenauffahrung

1974 Inbetriebnahme des Fördersystems Schrägstollen mit STF-Trucks

1975 Kleinbohrwagen KBS für gleisgebundenen Streckenvortrieb im Einsatz

1976 Einsatz von Bunkerladern LB 125/1000 vorerst auf Zwischenstrecken und im Abbau des Reviers Mommel

1977 Umstellung der Streckenförderung im Revier Mommel auf Gramby-Wagen (1.600 l Inhalt) mit 
mechanisierter Kippstelle an der Zentralrolle 2 zum Schrägstollen

1978 Kleinbohrwagen GBW 1 für gleisgebundenen Vortrieb und Kleinbohrwagen BWA für gleislose 
 Auffahrung im Einsatz;
 ANO-Sprengstoffe und entsprechende Ladegeräte untertage im Einsatz;
 Beginn der Vorbereitungsarbeiten für die neue Schachtanlage Gieselsberg

seit
1980 Errichtung der Übertageanlagen am Schacht Gieselsberg (Zechenhaus, 
 Maschinenhaus, Werkstatts- und Heizungsgebäude, Trafostation)

1987 Einhängung der vormontierten Trommelwelle in die Fördermaschine am Gieselsbergschacht

1989 Rekonstruktion des Schachtkopfes und Vorteufe

1990 Umwandlung des VEB in die Fluß- und Schwerspat GmbH Trusetal; 
 Einstellung der Arbeiten am Gieselsbergschacht, die Tagesanlagen sind zu 70 % fertig gestellt;
 Gründung des Bergbau- und Heimatvereins Trusetal 

1990/Die Gewinnungsarbeiten werden nach und nach auf allen Gruben eingestellt, ca. 700 Bergarbeiter
1991 werden arbeitslos

1992 Restbestände von vorrätigem Erz werden bis Mai über die Seilbahnstation Auwallenburg noch an Kunden verladen;
Die Fluß- und Schwerspat GmbH Trusetal wird als Bergwerk Trusetal in die Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von stillgelegten Bergwerksbetrieben mbH (GVV) überführt, die mit 50 verbliebenen Bergarbeitern bis 1995 die Verwahrung der Trusetaler Gruben und Verwertung der Übertageanlagen organisierte;
Teile der Außenanlagen der Grube Hühn wurden als technisches Denkmal unter Schutz gestellt

1995 Die Gemeinde Trusetal erwirbt die unter Denkmalschutz stehenden Anlagen an der Grube Hühn und
 organisiert über ABM mit Unterstützung der GVV die Herrichtung eines Besucherbergwerkes 

1996 Besucherbergwerk Hühn als technisches Museum eröffnet;
Nach Beendigung der Verwahrarbeiten der GVV im Trusetaler Revier gründeten die Bergbauingenieure Michael Keilhold und Udo Rische die Firma Berg & Bau GmbH mit Sitz am Standort der ehemaligen Erzaufbereitung, wobei 15 bis 20 ehemalige Bergarbeiter im Tief-, Wege- und Straßenbau sowie in der Berg- und Felssicherung Beschäftigung fanden.

Glück auf!
Jürgen Messerschmidt, Ortschronist
Horst Reinert, Bergbauingenieur
Walter Wolf, Bergbauingenieur
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