GESCHICHTE

Geschichte der Grube Hühn

Die Grube Hühn ist nach dem überlieferten Aktenbestand des Schmalkalder Bergamtes erst Anfang des 18. Jahrhunderts erschlossen worden. Es ist einer der wenigen Gruben, deren Erschließungsbeginn als Eisensteingrube mit dem 17. August 1709 exakt nachgewiesen ist. Während diese Grube 1807 noch ausschließlich Eisenstein förderte, wird 1814 erstmals auch der Abbau von Schwerspat betrieben. Auch 1832 werden noch beide Mineralien abgebaut. In der Bergwerks-Relation von 1841 ist dann nur noch die Rede von Fluß- und Schwerspat. 1866 sind im gesamten Trusetaler Revier neben sechs Eisenstein- und neun Schwerspatgruben (einschließlich Hühn I und II) nur die beiden Gruben Hühn genannt, die auch Flußspat förderten. Die Schwer- und Flußspatgrube III ist 1876 aufgefahren worden und 1885 sind die drei Gewerkschaften im Hühn noch in Betrieb. Die Staatsbehörden beorderten 1953 den VEB Schachtbau Nordhausen zur Grube Hühn, der mit den bergmännischen Erkundungen des Hauptganges auf der Tiefbausohle begann. Nach den vorgefundenen geologischen Befunden erfolgte zum 1. Oktober 1954 die Überführung der Schwerspatgrube Hühn in Volkseigentum. Im Gesamtverband des VEB Eisenmanganerzbergwerke (1964 VEB Thüringer Spat- und Eisenerzgruben, 1970 VEB Fluß- und Schwerspatbetrieb) führten die nunmehr gegebenen ingenieurtechnischen Möglichkeiten zu einer zielgerichteten Aufwältigung des gesamten Revieres Hühn. Bis 1959 erfolgte die Teufe des Blindschachtes von der Talsohle in drei Etappen (35m-, 80m- und 128m-Sohle). 
Die bergmännischen Aktivitäten in den Jahren bis zur Wende sind durch die Bergbauingenieure Walter Wolf und Horst Reinert wie folgt festgehalten worden:
1953 Beginn der bergmännischen Erkundung des Hauptganges auf der Tiefbausohle;

1957 Anschluss des alten Revieres Galgenberg an die 1. Tiefbausohle des Blindschachtes;

1963 Aufschluss des Buchenberg-Ganges aus dem Qu. 6 der Talsohle;

1969 Anschluss des Eichberger Reviers an die 2. Tiefbausohle des Blindschachtes;

1972 Teufen des Gesenkes im Buchenberg-Gang unter das Talsohlenniveau (30 m);

1973/ Teufen des Gesenkes im Turmgang Hühn bis zur 35m-Sohle im Qu. 25 der Talsohle, Beginn der 
1974  Auffahrung der 35m-Sohle;

1977/ Schaffung eines Flucht- und Wetterweges von der Talsohle durch das Überhauen 39 und die 47m-Sohle des 
1978  Reviers Ebersrod zum Gieselsbergschacht;

1979  erster bergmännischer Aufschluss des Turmganges auf der 128m-Sohle, 

1979/ Schaffung des neuen Zuganges zum Blindschacht auf der 
1980  Talsohle von Übertage (Neues Mundloch);

1980 Abschluss der Turmgangerkundung im Talsohlenniveau durch Gangstrecke 28 bis zur SO-Flanke;
 Zentralrolle 325 von der 128m-Sohle zur 35m-Sohle durchschlägig, Möglichkeit des Bergetransportes über den  Blindschacht gegeben;

1982 erster bergmännischer Aufschluss des Turmganges im Niveau der 80m-Sohle, Beginn der 
 Richtstreckenauffahrung ausgehend von Überhauen 325;

1983 Schaffung eines Flucht- und Wetterweges an der SO-Flanke von der Talsohle nach Übertage;
 Durchschlag des Überhauens 328 von der 128m-Sohle zur 35m-Sohle 
 (Zentrale Förderrolle für Schwerspathaufwerk);

1985 Abschluss der Auffahrung der 35m-Sohle Turmgang im SO, Anschluss an den Flucht- und Wetterweg 48 
nach Übertage;

1986 Beginn der bergmännischen Arbeiten zum Einrichten eines Containertransportsystems im Überhauen 325;

09/1988 Durchschlag der 128m-Sohle Hühn zum Revier Nebenrampe;

1989 Durchschlag des Containerüberhauens zur Talsohle.

Niedergang des aktiven Bergbaus 1990 bis zur 
Eröffnung des Besucherbergwerkes 1996

Die Wende 1989/90 brachte mit dem nunmehr einhergehenden Strukturwandel in Ostdeutschland das Ende für den auf dem Weltmarkt nicht wettbewerbsfähigen Trusetaler Bergbau. Seit 1. Juli 1990 ist der Fluss- und Schwerspatbetrieb als Tochtergesellschaft der Mitteldeutschen Kali AG in eine GmbH umgewandelt worden. Die Gewinnungs- und Vortriebsarbeiten der Grube Hühn sind bereits zum 31. August 1990 eingestellt worden. Die anderen Grubenreviere folgten bis Mai 1991. Generationen von Einwohnern waren fest mit dem hiesigen Bergbau verwurzelt. Die Schließung der Gruben des Fluss- und Schwerspatbetriebes Trusetal bildete eine Zäsur in der Geschichte des Ortes. Rund 700 Beschäftigte verloren ihre Arbeit. Eine Jahrhunderte alte Tradition ging damit im Altkreis Schmalkalden zu Ende. 

Der am 31. März 1990 unter Beitritt der Ortsgruppe des Kulturbundes gegründete Bergbau- und Heimatverein Trusetal e.V. hatte sich zur Aufgabe gestellt, die Traditionen des hiesigen Bergbaus zu pflegen. Die Grube Hühn sollte als Besucherbergwerk etabliert werden. Die politische Gemeinde versagte diesem Vorhaben zunächst jedoch die erforderliche Unterstützung. Es drohte die Niederlegung der Zechenanlagen und der Verladerampe sowie die gänzliche Schließung und Verwahrung der Grube. Es ist dem Diplom-Geologen Volker Morgenroth zu danken, dass dieser alle Hebel in Bewegung setzte und über die Erfurter Denkmalbehörde Teile der Anlagen der Grube Hühn unter Denkmalschutz stellen konnte. Mit der Wahl von Bürgermeister Richard Hörnlein 1994 hat dieser nach Beratungen mit dem Bergbau- und Heimatverein die auf Eis gelegte Idee von einem Besucherbergwerk wieder aufgegriffen und die Gemeinde Trusetal erwarb im Juni 1995 einen Teil des Außengeländes des Reviers Hühn. Die Bergingenieure Michael Keilhold und Christian Fischer waren die führenden Köpfe bei der Herrichtung der Grube Hühn als Erlebnis- und Besucherbergwerk. Am 12. Mai 1996 ist diese Attraktion mit einem Festakt dem Bergbau- und Heimatverein unter Leitung von Christian Fischer als Betreiber übertragen und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Der Bergbauverein stellte zwei Bergwerksführer ein, die mit sachkundiger Führung an den Bergbau, der das Leben der Menschen in Trusetal über Jahrhunderte prägte, erinnerten. Mit der Gründung der Trusetaler Tourismus GmbH 1998 trat der Bergbau- und Heimatverein das Besucherbergwerk an die GmbH ab, wobei dessen Rechte und Pflichten an der musealen Einrichtung zwischen Bürgermeister Hörnlein und Vereinsvorsitzendem Fischer einvernehmlich geregelt wurden. Der Bergbauverein ist Träger der auf dem Gelände des Besucherbergwerkes Hühn jeweils am 30. Dezember im festlichen Rahmen mit abschließendem Feuerwerk durchzuführenden Mettenschicht.

Glück auf!
Jürgen Messerschmidt
Trusetaler Ortschronist

Was wurde Abgebaut?

In den Trusetaler Bergwerken wurden verschiedene Rohstoffe abgebaut. 

Die "Alten" Bergleute hatten es in erster Linie auf Eisenerz abgesehen welches in den Schmalkalder Hütten verarbeitet wurde.

Kupfer
Auch Kupfer wurde ca. 1522-1743 in 7. Gruben gefördert und in Trusetal verarbeitet. Aber aufgrund des sehr geringen Reingehaltes wurde diese Produktion unrentabel und wieder eingestellt.

Manganerze
Mangan kommt vorwiegend im Brauneisenstein vor.

Alabaster
Alabaster ist eine Form von Gips der aber einen höheren Härtegrad vorweist. Es wird für Kunstgegenstände und Staturen im Innenbereich verwendet.

Fluss- und Schwerspat
Ab 1814 bis zum Ende des Bergbaus entwickelte sich die Spatgewinnung von anfänglicher Nebenproduktion zum Hauptprodukt. 
Spat wurde nun in verschieden neuen Produktionsrichtungen benötigt. Hierbei wurde die Spatgewinnung unterteilt in Fluss- und Schwerspat.

Verwendungsbereiche:

Schwerspat (BaSO4)
-Lacke- und Farbenherstellung
-Füllstoff für Industriegummi und Kunststoffe
-Zusatzmittel für Tiefbohrtechnik
-Papierherstellung (Glanzpapier)
-Textilindustrie
-Bariumverbindungen
  -Bariumchlorid für Oberflächenhärtung im Stahl
  -Bariumhydroxid für Schmieröle
  -Bariumnitrat für die Sprengstoffherstellung
  -Bariumkarbonat für die Keramikindustrie/Elektronik
-Balaststoffe für Schiffsindustrie
-Dämmmaterial gegen Radioaktivität
-Kontrastmittel in der Röntgentechnik

Flussspat (CaF2)
-Flussmittel in der Metallurgie (Hochofenprozess)
-Zusatzmittel zur Herstellung von Glas, Keramik, Porzellan
-Flusssäure (Grundstoff für die Fluorchemie)
-Holzkonservierungsmittel
-Schädlingsbekämpfungsmittel
-feuerfeste Schaumstoffe
-hitzebeständige Schmieröle
-Kältetechnik
-Feuerlöschmittel
-Zuschlagsstoff für Raketentreibstoff
-Pharmazie
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